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Samson - Survivors, Head On, Shock Tactics, Live At Reading
(Wiederveröffentlichungen!)

Der Grund, die SAMSON-Platten der frühen 80er Jahre in der Rubrik Classic Reviews nochmals Revue passieren zu lassen, liegt ausnahmsweise nicht daran, daß diese Scheiben besonders toll oder gar herausragend waren, sondern vielmehr daran, daß alle diese Platten kürzlich über Air Raid Records wiederveröffentlicht wurden und somit nun auch in CD-Form vorliegen. Aber immer schön der Reihe nach. Mitte der Siebziger verlor die erste Generation der härteren Hardrock Acts leider an Kreativität, und es folgte eine neue Bewegung, die den Punk zum Leben erweckte. Doch die Siebziger waren nicht nur der Anfang des Punk, sondern auch Beginn der New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM), die von jungen, wilden und wütenden Metal Bands angeführt wurde. Eines der Zugpferde der NWoBHM waren sicherlich SAMSON, obwohl diese Band nie den ganz großen Erfolg hatte wie beispielsweise IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST, aber auf der anderen Seite bauten SAMSON durchaus einen loyalen und starken Kult um sich auf, den sie im Laufe der Zeit festigen konnten. Survivors, das Debütalbum SAMSONs, erschien 1979 und vereinigte typische 70er Jahre Rock/Hardrock Einflüsse mit den Anfängen des Heavy Metal. Ehrlich gesagt wäre es maßlos übertrieben, wenn man Survivors als einen überragenden Klassiker der Rock/Metal Geschichte titulieren würde, denn das ist schlicht und einfach nicht der Fall. Das Album war an sich nichts besonderes, sondern verband lediglich die Rockmucke der ausklingenden Siebziger mit den härteren Tönen der frühen Achtziger, die damals ihren Einzug hielten ... also im Prinzip eine Rock-Metal Mixtur, die geradlinig und solide ihren Weg ging, ohne dabei besondere Maßstäbe zu setzen. Einziger Übertrack der Platte war Tomorrow Or Yesterday, der aber wirklich nur eine Ausnahmeerscheinung der Scheibe war. Ein Jahr später folgte der Nachfolger Head On, der wesentlich metallischer zu Werke ging und vor allem eine entscheidende Veränderung mit sich brachte: unter dem Pseudonym "Bruce Bruce" löste Bruce Dickinson Paul Samson am Micro ab, der sich fortan ausschließlich (bis auf ein paar vereinzelte Backing Vocals) auf seine Gitarrenarbeit konzentrieren konnte. Mit Head On wandelten SAMSON somit erstmalig "richtig" auf den Pfaden der boomenden NWoBHM und erarbeiteten sich einen sehr guten Ruf bei den immer mehr werdenden Metal Maniacs, wenngleich die Platte natürlich in keinster Weise an die zeitgleich erschienenen genialen Meisterwerke Iron Maiden, British Steel, Blizzard Of Oz oder Heaven And Hell (IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, OZZY OSBOURNE, BLACK SABBATH) heranreichen konnte. Aber immerhin ... Songs wie Take Me To Your Leader oder Hard Times waren waschechte Metal Tracks, die die Fans begeistern konnten. Album Nummer drei, das 1981 erschienene Shock Tactics, war sicherlich das wohl beste SAMSON Werk, das dem Stil der damaligen Zeit entsprach und für die größte Aufmerksamkeit sorgen konnte, die Paul Samson und seine Mitstreiter jemals für sich verbuchen konnten. Songs wie Riding With The Angels, Earth Mother, Go To Hell oder die einfühlsame Halbballade Communion sprachen direkt die Herzen der Fans an und begeisterten auf ganzer Linie. Über den Musikstil braucht an dieser Stelle übrigens kein Wort verloren werden ... wer den Metal von Anfang an mitgemacht hat, wird wissen, daß Heavy Metal zu dieser Zeit mehr als nur Musik war - es war ein richtiges Lebensgefühl, in dem man seine Wut und seinen Frust ausleben konnte. Fairerweise muß man bezüglich Shock Tactics aber auch einräumen, daß auf dieser Scheibe einige Aussetzer dabei waren, die bestenfalls unter die Kategorie "Mittelmaß" fallen (z.B. Nice Girl, Blood Lust oder Once Bitten). Diese schwächeren Songs waren demzufolge auch mit ein Grund, warum SAMSON selbst mit dieser Platte der Durchbruch versagt blieb, aber da die positiven Nummern überwiegen, kann man Shock Tactics wohlwollend zu den Klassikern der NWoBHM zählen. Last not least steht als letzte Wiederveröffentlichung noch das Livealbum Live At Reading an, das 1981 mitgeschnitten wurde und die besten Songs der ersten drei Platten beinhaltet. Und so endet nun unsere Zeitreise zurück in die 70er/80er, und wer als Metal Fan diese Anfangszeit nicht miterleben konnte, dem seien die alten SAMSON Teile durchaus einmal ans Herz gelegt - selbst wenn nicht alles Gold ist was glänzt. Aber schließlich ist es doch auch ganz interessant zu sehen, woher der Metal kommt und wie er sich im Laufe der Zeit entwickelt bzw. verändert hat. Allein schon mit diesem Hintergrund lohnt sich vermutlich der Trip "back to the roots".
7 Punkte (Survivors)
10 Punkte (Head On)
11 Punkte (Shock Tactics)
Ohne Bewertung (Live At Reading)
Wolfgang Volk (21.01.2001)