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Riot
Bobby's Back Again ...
Auch nach über 20 Jahren im Musikbuisiness und unzähligen Besetzungswechseln hat sich Mark Reale nicht unterkriegen lassen und mit Inishmore ein weiteres RIOT-Album veröffentlicht, das sich nahtlos in die Galerie solcher Klassiker wie Fire Down Under oder Thundersteel einfügen läßt. Auch Ausnahme-Schlagzeuger Bobby Jarzombek ist wieder an Bord und mit einem neuen Deal bei Metal Blade Records besinnt man sich alter Tugenden und geht Back To The Roots. Nachdem vor allem Nightbreaker aber auch The Brethren Of The Long House einige der alten Fans enttäuscht haben, tendiert das neueste Werk der Metal-Dinos aus New York wieder zurück zu den frühen 80ern und versöhnt für die lange Zeit des Wartens auf einen würdigen Nachfolger zu Thundersteel und The Privilege Of Power. Und wenn eine Metal-Legende wie RIOT ein neues Album herausbringt, dann ist das öffentliche Interesse natürlich sehr groß. Dementsprechend meldete sich am Telefon ein abgehetzt von Termin zu Termin eilender, aber trotzdem glücklicher Mark Reale, um sich den Fragen zum neuen Album und zur Geschichte RIOTs zu stellen ... 


? Mark, wie wär's, wenn Ihr eine Lyric-Line von einem älteren Song ändern würdet?
Hmm? (Mark deutlich verwirrt) ...

? (Chefredakteur lacht) Ja, tauscht doch einfach "We Drank 'Till The Sunrise, Rode Away, Singin' Johnny's Back Again" gegen "Bobby's Back Again" aus ...?
(Lacht jetzt auch) Ja, gute Idee. Würde live bestimmt ziemlich witzig kommen.

? Erzähl doch mal, warum ist Bobby wieder eingestiegen?
Dazu muß ich erst einmal erklären, warum er damals die Band verlassen hat. In den letzten Jahren hatten wir enorme Probleme mit unserer Produktionsfirma Firesign, was auch rechtliche Verwirrungen zur Folge hatte. Zwei Jahre lang habe ich versucht aus dem Vertrag zu kommen, und ich kann Dir sagen, es war eine verrückte Zeit. Der letztendlich ausschlaggebende Punkt, warum Bobby ausgestiegen ist, waren dann die Absagen zweier angekündigter Tourneen, wo die Fans nicht verstehen konnten, warum wir nicht gekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt wurde viel Negatives über RIOT geschrieben. Es hieß, die Band sei nicht loyal zu ihren Fans und ähnliches. Wir konnten für diese Absagen aber absolut nichts, weil die Fehler von unserer Agentur verursacht worden sind. Wir hatten bereits längere Zeit Probleme mit Steve (Steve Loeb, Präsident von Firesign - die Red.), obwohl wir auch einige sehr gute Platten mit ihm aufgenommen haben, und ich ihn als Musiker respektiere. Als Geschäftsmann war er aber nicht geeignet und er hat mehrmals sehr schlechte Entscheidungen für RIOT getroffen, für die wir dann büßen mußten. Bei den geplanten Europa-Tourneen hatten wir keine Kontrolle über die Finanzen und waren daher Steves Entscheidungen ausgeliefert. Wir wollten die Touren unbedingt machen und Bobby kam extra von Texas nach New York, um für die anstehende Tour mit uns zu proben. In der letzten Woche vor Beginn der Tour hat Steve dann wieder mal für Unruhe gesorgt. Ich glaube, er wollte auf die Kürze mehr Geld von den Promotern herausholen und als diese auf seine Forderungen nicht eingegangen sind, hat er die Tour kurzerhand gestoppt. Wir waren darüber sehr verärgert und in der Öffentlichkeit wurde RIOT so hingestellt, als hätten WIR mehr Geld verlangt, was aber absolut nicht stimmte! Es war die Agentur, die mehr Geld wollte, nicht wir! Damals dachte ich "Das ist das Ende von RIOT" und Bobby hat aus diesem Grund auch die Band verlassen. Kurz nach Veröffentlichung von The Brethren Of The Long House konnten wir uns endlich von Firesign lösen, allerdings mußten wir uns dazu bereit erklären, daß Fire Down Under auf einem kleinen Label re-released wurde. Über diese Wiederveröffentlichung selbst hatten wir dann wiederum keine Kontrolle. Aber immerhin waren wir aus dem Vertrag raus, und als Bobby das erfahren hat, war er bereit wieder einzusteigen.

? Ist er jetzt auch wieder festes Bandmitglied und steht das jetzige Line-Up?
Ja, zunächst ist er inoffiziell wieder eingestiegen und kam dann wieder nach New York, wo wir uns zusammen mit Jeff Allen, meinem neuen Manager, hingesetzt und alles besprochen haben. Diese Gespräche sind sehr positiv verlaufen und jetzt ist er ist wieder offizielles und festes Bandmitglied. Wir sind alle zur Zeit auch ziemlich aufgeregt, denn es ist mehr Positives im letzten Jahr passiert, als in den vorangegangenen 10 Jahren zusammen. Mit der derzeitigen Situation sind wir sehr zufrieden und glücklich.

? RIOT gibt es schon seit 1976. Würdest Du Dich als Metal-Dinosaurier bezeichnen (im positiven Sinn)?
Ich bin jetzt schon so lange im Geschäft und habe so viele Veränderungen in der Musik und im Buisiness mitgemacht. Mein persönlicher Geschmack und der Stil von RIOT ist aber immer der klassische Heavy Metal/Hard Rock gewesen, und das ist auch immer noch die Musik, die ich mir anhöre. Also... ja, dann kann man mich wohl als eine Art Metal-Dinosaurier bezeichnen.

? Es ist ein langer Weg von Rock City bis Inishmore. Welche Zeit hat Dir am besten gefallen?
Oh, das ist schwierig. Es gab immer Ups und Downs, wir haben eine Menge Platten aufgenommen und sind oft auf Tour gewesen. Dabei hatten wir immer das Problem, daß wir die falschen Leute um uns hatten. Ich war mit Steve immer eng befreundet und ich hatte eigentlich immer gehofft, daß er seine Fehler einsieht und uns mit Leuten zusammenbringt, die RIOT weiterhelfen könnten. Das ist aber nie passiert. Also wie ich bereits gesagt habe, gab es immer Höhepunkte, aber auch Tiefschläge, die wir wegstecken mußten. Eine der aufregendsten Zeiten war, als wir 1980 zum ersten Mal in Europa spielten. Wir haben damals viele Konzerte in England und Deutschland gegeben, und es war schon toll, die Reaktionen der Fans zu erleben. Dann wäre noch die erste Tour in Japan zu nennen, die auch zu den Highlights zählt, die ich mit RIOT erlebt habe. Und dann noch die jetzige Situation, weil Inishmore das erste Album ist, über das ich persönlich volle Kontrolle habe. Die Zukunft sieht sehr gut aus, und obwohl wir schon so viele Platten herausgebracht haben, können wir aufgrund der jetzigen Gegebenheiten wieder gute Arbeit abliefern.

? Dann laß uns doch über das neue Album reden. Ist Inishmore wieder ein klassisches Konzeptalbum und von was handelt die Scheibe?
Inishmore ist kein klassisches Konzeptalbum wie The Brethren Of The Long House. Im Prinzip bilden nur der Titeltrack und das Cover-Artwork ein richtiges Konzept. Ich habe mir viel keltische Musik angehört und war schon immer ein Fan von irischen Musikern wie GARY MOORE oder THIN LIZZY. Also habe ich mir irische Melodien herausgesucht und mit den Lyrics eine kleine Story dazu geschrieben. Bevor ich die Story schrieb, habe ich viele Bücher über Irland und die irische Geschichte gelesen. Die Geschichte von Inishmore spielt im 18. Jahrhundert als es vielen Iren sehr schlecht ging und manche sogar verhungern mußten, weil sie keine Arbeit hatten und ihre Familien nicht ernähren konnten. Es war eine schreckliche Zeit. Zu dieser Zeit immigrierten auch viele Leute nach Amerika oder in andere Teile Europas um dem Hungertod zu entgehen. Inishmore ist eine Insel und liegt ca. 30 Meilen von der Westküste Irlands entfernt. Insgesamt gibt es drei kleinere Inseln, die dort nahe zusammen liegen, und so habe ich die Geschichte eines Mannes aus Inishmore erfunden, der herausfindet, daß die Familie seiner Freundin Irland verlassen hat. Verzweifelt harrt er aus und hofft, daß seine Liebe eines Tages zurückkehren wird. Das ist im Großen und Ganzen die Story, die hinter Inishmore steckt.

? Eine ziemlich traurige Geschichte ...?
Ja, ich habe die Story nach den Melodien geschrieben und habe mich dabei von den Gefühlen leiten lassen, die diese Melodien in mir geweckt haben.

? Bilden Intro und Outro zusammen einen musikalischen Rahmen, der die Story zusammenfaßt?
Ja, absolut. Ich denke, das war der beste Weg die Geschichte zu verbinden. Eines meiner Ziele war es, eine Menge Uptempo-Energie in die Musik zu bringen. Das Album sollte schneller sein als das letzte, mehr traditioneller Heavy Metal oder Power Rock, aber gleichzeitig wollte ich unbedingt diese beiden - Intro und Outro - verarbeiten. Also habe ich sie in Verbindung mit dem Album-Artwork an den Anfang und ans Ende gesetzt, und damit das Tempo der Songs nicht unterbrochen, sondern vielmehr umrahmt. Hätte ich Inishmore in die Mitte des Albums plaziert, dann hätte das den Energiefluß irgendwie gebrochen. Durch die Stellung am Anfang und am Ende beginnt und endet das Album folkloristisch, aber die schnellen Songs in der Mitte sind im selben Stil gehalten und haben damit auch einen Zusammenhang.

? Stilistisch würde ich Inishmore als Mischung von frühen RIOT-Sachen mit starken RAINBOW-Einflüssen beschreiben. Stimmst Du da zu?
Da stimme ich Dir sogar absolut zu. Das haben mir auch schon sehr viele Leute gesagt und ich muß zugeben, daß ich die frühen RAINBOW sehr mag und sie mich mit Sicherheit beeinflußt haben.

? Nach The Privilege Of Power hat es teilweise herbe Kritiken gehagelt. Vor allem Nightbreaker war sehr enttäuschend. Waren diese Reaktionen/Kritiken auch ein Grund für Dich, Back To The Roots zu gehen und ein typisches RIOT Album zu schreiben?
Ein Grund, wieder schnellere Songs zu schreiben war die Tatsache, daß Bobby wieder zur Band zurückgekommen ist. Sein Drumming ist für diese Art von Musik einfach perfekt geeignet. Nightbreaker war mein erstes Album mit Mike DiMeo und wir kannten uns damals noch nicht so gut. Für diese Platte habe ich sogar die meisten Lyrics geschrieben und ich bezeichne mich nun wirklich nicht als tollen Texter. Aber Mike war neu dabei und deshalb war die Koordination auch nicht so gut wie auf The Brethren Of The Long House, wo er besser verstanden hat, was ich eigentlich will und wofür RIOT steht. Mittlerweile ergänzen wir uns aber perfekt und deshalb können wir jetzt auch den alten RIOT-Stil wieder fahren.

? Würdest Du demzufolge sagen, daß Inishmore das bislang beste Album mit Mike als Sänger ist?
Ich denke schon. The Brethren ... war ziemlich gut, aber dieses Album ist einfach mehr RIOT als die anderen.

? Kommt Ihr mit Inishmore auf Europa-Tournee und wann soll die Tour beginnen?
Oh ja, wir wollen unbedingt kommen, und so wie es jetzt aussieht, werden wir wohl im Frühjahr bei Euch sein. Ende Januar wollen wir erst einmal in Japan touren, wo wir auch eine Live-CD aufnehmen werden. Möglicherweise wird diese Live-Scheibe über Metal Blade auch in Europa erscheinen. Im Februar wollen wir die CD abmischen und ab März/April dann mit der Europa-Tournee beginnen. Die genauen Daten stehen noch nicht fest, aber wir werden mit Sicherheit kommen, das ist sehr wichtig für uns.

? Kannst Du mir schon das Live-Programm in etwa verraten?
Neben Songs von Inishmore werden wir natürlich auch einige ältere Sachen spielen. Von Fire Down Under werden wir mehrere Songs bringen, genauso wie von Thundersteel. Vielleicht spielen wir auch Soldier vom Nightbreaker-Album, denn dieser Song kommt live auch sehr gut rüber. Von Brethren ... werden wir auch was spielen... es wird eine gute Mischung aus altem und neuem Material sein, soviel steht fest.

? Spielt Ihr dasselbe Programm auch in den U.S.A.? Die Amerikaner stehen doch eher auf eingängigeren Rock ...?
In den U.S.A. erscheint dasselbe Album wie in Europa. Ich würde meinen Stil auch niemals für den Markt ändern. In Amerika gibt es auch eine Menge Metal Fans; auch jüngere Fans, die den Metal neu entdecken. Das Problem in Amerika sind die Medien. Die beherrschen die Kids nahezu und überzeugen sie davon, diese oder jene Platte zu kaufen. In den U.S.A. ist es anders wie in Europa. Bei Euch orientiert sich die Presse nach den Fans, in Amerika kontrollieren das Fernsehen und das Radio den Geschmack der Leute. Die spielen nur das, was ihnen in den Kram paßt und das ist demzufolge auch die Musik, welche den Leuten zugänglich und publik gemacht wird. That's the Problem! Bei uns kann man die Fans eigentlich nur über eine Tour und viele Live-Gigs erreichen. Zum Glück gibt es hier viele Hallen in denen man auch als Metalband auftreten kann, deshalb starten wir auch hier in den U.S.A. eine größere Tour um das Album zu promoten.

? Scheint so, als ob Du nach wie vor den amerikanischen Medien sehr negativ gegenüberstehst ...?
Auf jeden Fall! Über MTV will ich auch gar nicht mehr reden. Es ist aber auch ein unabhängiger Fernsehsender geplant, der 24 Stunden lang rund um die Uhr Rock spielt. Das ist immerhin ein Anfang.

? Möchtest Du Deinen deutschen Fans zum Abschluß noch etwas sagen?
Ja, bitte glaubt nicht alles, was früher teilweise über RIOT erzählt wurde. Wir sind nicht unloyal und freuen uns sehr, wenn wir bei Euch spielen können. Wir freuen uns jetzt schon darauf, Euch auf der Tour zu sehen. Bis dann und ein frohes neues Jahr Euch allen.
Wolfgang Volk (01.02.1998)
Weiteres zu Riot:

- Inishmore (CD-Check)

- Through The Storm (CD-Check)