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Bob Rock - Rage Of Creation
Erscheinungsdatum: 27.11.2000
(Massacre Records) 48,35 min

Na, es ist doch immer wieder interessant, was sich die Damen und Herren Infoschreiber der verschiedenen Labels so alles aus den Fingern euphorisieren. Kostprobe gefällig? Bitteschön: „Nach einigen hervorragenden Scheiben mit IMPELLITERI legt der Ausnahmesänger nun sein erstes Soloalbum vor, dessen elf Songs durchgehend schlichtweg als genial zu bezeichnen sind und das von vorne bis hinten nur Volltreffer beinhaltet.“ Und dann wird sogar noch versucht, den Herdentrieb anzusprechen und kollektiven Druck auszuüben: „Die Presse überschlägt sich bereits im Vorfeld mit Lobeshymnen über dieses herausragende Album und es ist wohl keine Übertreibung dass Rage Of Creation eines der Metal-Alben des Jahres ist!“ Wann begreifen die Plattenfirmen denn endlich, dass man mit einem derartigen lobesdudeligen In-die-Kacke-hauen beim Rezensenten erstmal das Gegenteil bewirkt - nämlich ein leicht angeekeltes unwillkürliches Schütteln, gefolgt von äußerster Vorsicht? Gegen dieses negative Gefühl noch vor der ersten CD-Umdrehung muss dann die arme Band erst mal anstinken. Und umwerfen können mich die Songs auf Rage Of Creation nun wahrlich nicht - nicht schlecht gemacht zwar das ganze, aber diese Scheibe hat irgendwie nichts wirklich neues zu bieten. Außerdem klingt das ganze für meine Ohren arg nach einem lauwarmen NWoBHM-Aufguß oder nach dem guten alten Speed-Metal aus den Mid-Achzigern. Naja, wen wundert's - ich darf noch einmal die Info bemühen: „Präsentiert wurde das Album von keinem geringeren als Roy Z, welcher beide Bruce Dickinson-Alben, das Halford Album Resurrection und Helloweens Dark Ride produzierte.“ Was soll in diesem Zusammenhang überhaupt „präsentiert“ heißen? Hat Roy Z das Ding in die Kamera gehalten, oder was? Oder wie darf man sich das vorstellen? Erst das Lesen der englischen Übersetzung der Info klärt auf, dass Roy Z die Scheibe nicht präsentiert, sondern produziert hat ... aber im ernst: Wen kümmert's ...? Denn was Rob Rock da musikalisch von sich gibt, hat man vor Urzeiten alles schon mal gehört, und was noch weitaus schlimmer ist: Man hat alles schon mal viel, viel besser gehört. Liebe Info-Schreiberlinge: Wenn Ihr durch In-den-Himmel-Heben eines Machwerks die Erwartungen der Rezensenten-Ohren ins Unermeßliche schraubt, braucht Ihr Euch nicht zu wundern, wenn die Diskrepanz zwischen Lobeshymne und Realität umso deutlicher ins Auge sticht und dann dementsprechend abgestraft wird. Es gibt nämlich doch tatsächlich noch Rezensenten, die nicht nur die Info lesen, sondern sich die Scheibe auch wirklich kritisch anhören.
7 Punkte - Erik Gorissen (21.02.2001)

Playlist
1. In the beginning
2. The sun will rise again
3. One way out
4. Judgement day
5. Streets of madness
6. Eagle 
7. All I need
8. Media machine
9. In the night
10. Never too late
11. Forever