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Eldritch - Portrait Of The Abyss Within
Erscheinungsdatum: 24.05.2004
(LMP/SPV) 49,15 min

Beim Review zur neuen ELDRITCH Scheibe Portrait Of The Abyss Within sollte man zum besseren Verständnis vielleicht ein bisschen ausschweifen, um die stilistischen Veränderungen besser reflektieren zu können. Nach Seeds Of Rage (1995) und Headquake (1997) holte die italienische Progressive Power Metal Formation 1998 zum tonalen Drittschlag aus ... und der hatte es in sich. Abwechslungsreich und auf hohem Niveau stehend konnte man die Band damals grob ausgedrückt in eine Schnittmenge aus METAL CHURCH (mit Mike Howe) und DREAM THEATER einordnen, wobei El Nino gleichzeitig absolut eigenständig klang. Bei allen komplexen Versatzstücken hatten es die Italiener außerdem nicht versäumt, auch eingängige Power Passagen in ihren jeweiligen Song unterzubringen. Auch vor einer ruhigeren Halbballade (The Last Days Of The Year) hatte die Band nicht zurückgeschreckt, die genau an der richtigen Stelle in der Mitte des Albums platziert war und dort für die Ruhe vor dem Sturm sorgte, der anschließend headbangend mit From Dusk Till Dawn ausbrach. Das einzige was der Scheibe noch fehlte, waren ein oder zwei Hammerstücke, die aus dem alles in allem sehr ausgeglichenen Material herausgeragt und für einen Endkick gesorgt hätten. Solche Nummern waren zwar nicht vertreten, trotzdem blieb insgesamt festzuhalten, dass ELDRITCH mit El Nino ein starkes Album gelungen war. Dann - drei Jahre später - der absolute Schock: Reverse wurde veröffentlicht. Ach du Scheiße ... was war denn nur in ELDRITCH gefahren??? Die Italiener hatten ihren Stil von Progressive Metal in ziemlich modernen Metal umgestellt und damit einen krassen Schnitt in ihrem Werdegang getan. Reverse war völlig anders als die Vorgänger - das Album war mit Sicherheit die "modernste" Scheibe der Bandgeschichte, aber damit hatten sich die Jungs selbst keinen Gefallen getan. Vergleichen konnte man das ganze unter Umständen ein wenig mit neueren ANNIHILATOR, wobei teilweise sogar widerliche Einflüsse von Bands wie KORN oder MARILYN MANSON eingebaut waren, aber gottlob gab es wenigstens noch ein paar catchy Hooklines, die die Enttäuschung aber nur wenig mindern konnten. Und nun - abermals drei Jahre später - erfolgt ein weiterer stilistischer Umbruch ... aber Gottlob wieder zum Besseren. Portrait Of The Abyss Within ist im Prinzip ein hartes Heavy Metal Album mit progressiven Einflüssen, wobei vereinzelt (leider) auch noch ein paar moderner Parts dabei sind (diese halten sich aber Gottlob in erträglichen Grenzen). Die Mucke (vor allem die Gitarren) sind verdammt heavy, aber gleichzeitig wird auf relativ eingängige Strukturen geachtet, so dass auch ein gesundes Maß an Harmonie und Melodie nicht zu kurz kommt (wenngleich die Heavyness sicherlich überwiegt!). Damit ist Portrait Of The Abyss Within wiederum nicht mit den vorangegangenen Veröffentlichungen zu vergleichen, wenngleich zumindest ein kleiner Schritt zurück zur besseren Vergangenheit getan wurde. Nichtsdestotrotz werden die alten Fans vielleicht ein bisschen unsicher sein, was sie von dem Album halten sollen. Den Fans der ersten Stunde ist die CD möglicherweise nicht progressiv genug, während sie für reinrassige Schwermetaller ohne Prog Faible auch nicht so hundertprozentig gemacht wurde. ELDRITCH haben sicherlich einen neuen eigenen Stil gefunden, aber ob dieser überall ankommen wird, bleibt abzuwarten. Schlecht ist Portrait Of The Abyss Within mit Sicherheit nicht - es ist sogar ein recht gelungenes Album - aber der allerletzte Kick will sich nicht unbedingt einstellen. Zum Anchecken kann man daher eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen, aber von einem Blindkauf sollte man sicherheitshalber absehen, bevor man sich sein eigenes Urteil gebildet hat.
9 Punkte - Wolfgang Volk (12.06.2004)

Playlist
1. Muddy clepsidra
2. Forbidden
3. The world apart
4. The everlasting mind disease
5. Picture on the wall
6. Dice rolling 
7. Drowning
8. Blindfolded walkthrough
9. See you down
10. Slow motion "K" Us
11. Lonesome existence 
Weiteres zu Eldritch:

- Headquake (CDCheck)